Angelurlaub in Molde/Norwegen

Hallo liebe Mitglieder,

leider ist mein Sommerurlaub in Norwegen für dieses Jahr vorüber. Er war sehr schön und erholsam und vor allem mit viel Fjordangeln verbunden, weshalb ich mich entschlossen habe, einen Reisebericht zu verfassen. Wer weiss, vielleicht wird der Eine oder Andere ja neugierig auf dieses wundervolle Land und mag auch mal hinfahren. Für diesen Fall werdet ihr hier Tipps, Anregungen und Weblinks zu weiterführenden Informationen finden.

Viel Spaß beim Lesen.

 

Im ersten Teil dieses Reiseberichts werde ich euch Informationen zur Anreise sowie zur Unterkunft in Molde geben. Fähre, Maut in Norwegen etc. werden in diesem ersten Teil beschrieben.

 

Der zweite Teil ist dem Angeln im Fjord gewidmet. Angelvorbereitungen, verwendetes Material sowie Fänge, aber auch Preise für Material in Norwegen werden hier beschrieben.

 

Im dritten Teil dieses Berichts möchte ich noch ein wenig auf die Schönheit des Landes eingehen und euch einige Sehenswürdigkeiten zeigen. Vielleicht bekommt ihr ja auch mal Lust auf einen Trip nach Norwegen.

Reisevorbereitung und Anreise

Alles begann mit der Überlegung, wann man denn am besten Reisen könnte. Da wir immer noch auf die Ferien angewiesen sind und bekanntlich Samstags der Bettenwechsel in den meisten Ferienunterkünften ist, wollte ich vermeiden an einem Wochenende zu fahren. Auf der Webseite www.finn.no habe ich ein tolles Haus gefunden, dass komplett meinen Wünschen entsprach. Hier findet man zahlreiche Angebote von privat, die durchweg günstiger sind, als auf anderen Webseiten in deutscher Sprache. Ich habe hier viele Angebote beginnend bei 300 € gesehen, die meisten liegen zwischen 500-700 € pro Woche. Lasst euch von der Webseite nicht abschrecken. Sie ist zwar auf norwegisch, allerdings ist sie einfach und intuitiv zu bedienen und die allermeisten Norweger sprechen gutes bis sehr gutes Englisch, was die Kommunikation doch sehr vereinfacht. Doch nun zurück zum Haus. Das Haus war sehr schön auf einem Hügel, etwa 100 m Luftlinie mit Blick auf den Karlsoyfjord gelegen. Es war topmodern ausgestattet, mit Küche in Hochglanzoptik, Geschirrspüler, Waschmaschine und Trockner, zwei Schlafzimmern, zwei Bädern et cetera. Abgerundet wurde das Angebot durch das vollausgestattete Boot. Dieses war 6.40 m lang, verfügte über einen 60 PS Suzuki Außenbordmotor, GPS Navigation, Sonar / Fischfinder sowie eine Hebevorrichtung für Fischfallen. Info für alle, die es nicht wissen: Vor 1980 geborene benötigen in Norwegen keinen Bootsführerschein!

Alles in Allem ein tolles Angebot. Hier wollte ich hin. Die Verbindungsaufnahme mit dem Vermieter gestaltete sich denkbar einfach. Wie Anfangs bereits erwähnt wollte ich nicht am Wochenende reisen, wie es alle anderen Urlauber auch tun würden. Daher fragte ich, ob ich das Haus auch von Dienstag bis Dienstag buchen könnte, was problemlos möglich war. Ein weiterer Vorteil des Reisens innerhalb der Woche ist, dass die Preise für die Fähren etwas günstiger sind, als am Wochenende. Je nach Reisezeit lassen sich hier schnell einige hundert Euro im Vergleich zu einer Überfahrt am Wochenende sparen. Auf der Hinfahrt haben wir uns für die Colorline entschieden. Diese fährt von Kiel nach Oslo und der Urlaub fängt bereits nach einer 4-Stündigen Fahrt an der Fähre an.

Nach einer zwanzigstündigen Überfahrt, die ein All-you-can-eat-Buffet, eine Übernachtung in einer 4* Kabine sowie ein gigantisches Frühstücksbuffet beinhaltete, kamen wir morgens um 10 Uhr völlig entspannt in Oslo an. Von hier ging es weitere 480 km durch teilweise atemberaubende Landschaft Richtung Molde. Anfangs noch über die Autobahn bei Tempolimit 110, später dann über Landstraßen mit Tempolimits zwischen 50 und 80. Daher braucht man für die 480 km auch nochmal rund 7 Stunden, so dass wir inklusive Pausen kurz vor 18 Uhr ankamen.

Die Autobahnen sind teilweise Mautpflichtig. Hier werden abschnittweise kleinere Beträge von 1,50 € bis zu 3,50 € fällig, die automatisch per Kamera erfasst werden. Die Rechnung wird einem dann zugeschickt mit der Bitte um Begleichung. Sehr unkompliziert.

Angeln im Fjord

Eines vorweg: Neben den Fjorden bietet Norwegen auch gute Möglichkeiten in Seen und Flüssen auf Forelle und Lachs zu angeln. Aufgrund des trockenen und heißen Sommers hatte es aber schon Wochen nicht mehr geregnet, sodass der lokale Fluss nur noch ein Rinnsal war. Tolle niederschlagsunabhängige Flüsse sind z.B. Orkla oder Driva, die ich aufgrund der langen Fahrzeit von zwei bis zweieinhalb Stunden jedoch nicht besucht habe.

 

Doch nun zum eigentlichen Thema, dem Angeln im Fjord. Da ich zum ersten Mal Hochsee-/Fjordangeln war, wollte ich mir nicht gleich eine eigene Ausrüstung kaufen, da ich vorher ja nicht wusste, ob ich es zukünftig nochmal brauche. Soviel vorweg: Ich werde es zukünftig wieder brauchen!

Glücklicherweise habe ich noch einen Kollegen gefunden, der mir freundlicherweise zwei seiner Pilkruten samt Multirolle geliehen hat, so dass ich lediglich das Verbrauchsmaterial gekauft habe. 50 m Vorfachschnur, starke Wirbel und Karabiner, ein paar rote Makks, 2 x 300 gr und 2 x 400 gr Pilker und ein paar fertige Vorfächer mit Hakengröße 2. Das war alles, was ich mitgenommen habe und eigentlich war es völlig ausreichend. Der Boden im Fjord war sehr glatt und wenig steinig, so dass ich nicht einen Pilker durch abreißen verloren habe. Solltet ihr vorhaben, auch mal nach Norwegen zu fahren, würde ich dringend empfehlen euch bereits hier in Deutschland mit dem entsprechenden Material einzudecken, da es in Norwegen deutlich teurer ist. Ein 300 gr Pilker z.B. ging dort bei 20 € los, ein fertiges Meeresvorfach mit mehreren roten Makks bei 10 € usw.

Nun war also der erste Abend des Urlaubs gekommen und meine Kids und ich waren voll heiß aufs Angeln. Also fuhren wir raus und suchten mit dem Sonar nach Beute. Nach längerer Suche haben wir auch eine viel versprechende Stelle gefunden, an die wir wegen des Erfolgs an den folgenden Abenden immer wieder zurückkehrten. Offensichtlich kamen hier mehrere Strömungen günstig zusammen und brachten viel Nahrung mit sich. An dieser Stelle haben wir nach wenigen Tagen das gesamte Repertoire an verfügbaren Fischen gefangen. Angefangen bei Köhler, über Pollack und Rotbarsch, bis hin zu Dorsch und Seehecht. Es war einfach alles da und nahm auch bereitwillig unsere Köder. Hier musste ich feststellen, dass Seehechte offenbar ein ausgesprochen stark ausgeprägtes Selbstbewusstsein haben. Einmal am Haken scheinen sie sich zu denken, dass ihnen eh keiner was anhaben kann. Sie sind wenig kämpferisch veranlagt, scheinen lediglich in der Tiefe verweilen zu wollen und starten keine Ausbruchsversuche. Man muss sie nur von ganz unten hochkurbeln. Deutlich spannender ist da schon der Drill eines Dorschs oder eines Köhlers. Selbst kleine, etwa 5kg schwere Exemplare ebengenannter Arten stellen Mensch und Material ganz schön auf die Probe. Sie schaffen es problemlos, eine Balzer Magna Nordic Boat 25 derartig, fast kreisförmig zu verbiegen, dass man den Eindruck hat, die Rutenspitze verschwindet gleich unter Anglers Füßen unter dem Boot.

Bezüglich der verwendeten Köder muss ich sagen, dass die Fische völlig wahllos agiert haben. Mal bissen sie auf die Makks, mal auf eine Makrele, die an einem Drilling ebenfalls am Vorfach befestigt war. Ebenso wurde der 400 gr Pilker von den größeren Exemplaren der Fische genommen. Eine Vorliebe für einen bestimmten Köder konnte ich bei keiner Art erkennen.

Die Ruten scheinen die Beanspruchung jedoch gut überstanden zu haben. Andere Erfahrungen habe ich mit den Rollen gemacht. Dies wird auch maßgeblichen Einfluss auf den Kauf meiner Rollen haben. Ich hatte die Yumoshi ACL 600-50D sowie die DAM Quick Power Pirate 30 LHC, beide mit geflochtener Schnur im Einsatz. Die hier verlinkte Rolle von DAM scheint ein Nachfolgemodell zu sein, die von mir verwendete Rolle habe ich online nicht mehr finden können.

Beide Modelle verfügen über eine Schnurführung. Das mag für monofile Schüre toll sein, bei der weichen, geflochtenen Schnur jedoch führt es häufig dazu, dass sich die Schnur unten um den Fuß der Schnurführung legt und von Hand wieder dort abgenommen werden muss. Man sollte sich also vorher überlegen, mit was für einer Schnur man angeln möchte. Bei geflochtener Schnur rate ich dringend von Modellen mit Schnurführung ab.

Bei der Yumoshi ACL 600-50D handelt es sich um ein Modell aus Fernost. Sie ist eigentlich eine robuste Rolle mit Metallgehäuse. Die Verarbeitung ist sauber und die Schnurfassung beträgt 480/300 m für 50er/60er Schnur. Sie verfügt über 12 Kugellager, einen Tiefenzähler und arbeitet mit einer Übersetzung von 5,2:1. Eigentlich ein solides Modell. Leider ist der Handgriff an der Kurbel dermaßen schlecht befestigt, dass er im Laufe der Zeit immer lockerer wurde. Er scheint irgendwie genietet zu sein. Nach Abnahme der Abdeckkappe am Handgriff konnte ich jedenfalls nichts erkennen, was irgendwie nach Schraube, Mutter, Gewinde oder ähnlichem aussah, so dass ich ihn auch nicht wieder festziehen konnte. Wenn man sich für den Kauf dieses Modells entscheidet, sollte man vielleicht an dieser Stelle vorher Hand anlegen, um den Handgriff anders/besser auf der Kurbel zu befestigen. Dann hat man für etwa 30 € eine richtig gute Rolle.

Die DAM Quick Power Pirate 30 LHC ist eine recht kleine Multirolle mit einem Gehäuse aus Kunststoff. Sie verfügt ebenfalls über einen Schnurzähler, die Schnurfassung beträgt 250 m für 50er Schnur und sie arbeitet mit einer Übersetzung von 4,0:1. Bei diesem Modell hat die Schnurführung leider im Laufe der Zeit mehr und mehr gehakt. Einmal am rechten Ende der Führung angekommen blieb sie dort hängen und musste in die Gegenrichtung gedrückt werden, damit sie wieder in die andere Richtung lief. Dieser Fehler trat anfangs selten, zwischendurch mehrfach und am Ende permanent auf, so dass das Angeln mit dieser Rolle keinen Spaß mehr machte und letztlich unmöglich wurde.

Nach den Erfahrungen, die ich mit dem geliehenen Material gemacht habe, wird meine zukünftige Rolle definitiv ein Metallgehäuse und keine Schnurführung haben sowie mindestens mit einer Übersetzung von 5,0:1 arbeiten.

Sehenswürdigkeiten

Zum Abschluss möchte ich euch noch mit ein paar Sehenswürdigkeiten ködern. Vielleicht bekommt ihr ja auch Lust, einmal dieses wunderschöne Land zu bereisen. Anfangen möchte ich mit Trollstigen.

Der Trollstigen führt vom Isterdal in engen Serpentinen mit etwa zwölf Prozent Steigung hinauf zur Passhöhe von 860m. Auf halber Strecke passiert man einen gigantischen Wasserfall, den 320 Meter hohen Stigfossen. Die Straße ist nur wenige Meter breit, manchmal fast einspurig, so dass man entgegenkommenden Fahrzeugen auf eigens dafür eingerichteten Buchten ausweichen muss. Oben angekommen kann man auf einem großen Parkplatz parken. Ein Spaziergang von wenigen hundert Metern bringt euch dann zu einer Aussichtsplattform von der aus man den gesamten Verlauf der Straße überblicken kann.

Zum Ansehen der Bilder in Originalgröße einfach auf das Bild clicken.

Des weiteren möchte ich euch den Geirangerfjord nicht vorenthalten. Dies ist einer der bekanntesten Fjorde Norwegens. Er gehört seit 2005 zum UNESCO-Weltnaturerbe. Er ist eingefasst von einer spektakulären Bergkulisse. Leider kamen wir an unserem Besuchstag zu spät in Geiranger an, um den Fjord noch mit einem Boot zu befahren und konnten so leider nur Bilder von einem hochgelegenen Aussichtspunkt machen. Solltet ihr den Fjord mal besuchen wollen empfehle ich euch bereits im voraus eine Bootstour online zu buchen.

Zum Schluss möchte ich euch noch einen ganz einfachen aber wunderschön gelegenen Rastplatz zeigen, von denen es zahlreiche in Norwegen gibt. Was mich an ihm so fasziniert hat: Er war einfach wunderschön gelegen und es lag nicht das kleinste fitzelchen Müll rum. Er macht einfach glücklich und läd ein, dieses Land mit dem Wohnmobil zu bereisen, weil es einfach so zahlreiche, schöne Ecken gibt und man in Norwegen auch ganz unkompliziert überall für bis zu 3 Tagen Campieren darf.

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